Wie Phoenix aus der Asche

neugeboren, besann sich die Stadtpolitik auf die (bzw. den) Kleingartenpark aus Ostzeiten. Da nach der politischen Wende auch neue Ideen angesagt waren, erfand man den, 1976 aus der Taufe gehobenen und mit der politischen Wende unterge-gangenen,  Kleingartenpark 1998 auf`s Neue.

In 2008 wurde in einer kleinen Feierstunde in der "Grünen Aue" auf sein zehnjähriges Bestehen mit einem Toast für seine Weiterentwicklung angestoßen.

Zehn Jahre in der Neuzeit plus jetzt noch vier dazu, einer Kleingartenpark-Konzeption der Stadt Leipzig, erarbeitet noch zu DM-Zeiten….. und wo stehen wir jetzt ?

Geht es um den alljährlichen Frühjahrsputz im April, wo Kleingärtner ihr  Anrainer-gelände von jeglichen Unrat menschlicher Hinterlassenschaften säubern und in einen gepflegten Zustand versetzen, dann …. ja dann bekommt man von der Union etlicher Vereine einen Hinweis auf deren Existenz. Ansonsten hält sich der Zusammenhalt in Grenzen.  Kein Reglement – nur acht Unterschriften auf der Geburtsurkunde des  Kleingartenparks  Südost.

Die Idee als solches ist nicht verkehrt, um der Stagnation in der Entwicklung der Kleingärtnerbewegung entgegen zu wirken.  

Die Idee ist nicht verkehrt, um die Anwohner des angrenzenden Wohngebietes für die Gartenanlagen hinter ihrem Mietshaus zu interessieren.

Die Idee ist nicht verkehrt,  um durch Spielplatzgestaltung Kinder und Jugendliche von der Straße fern zu halten.

Die Idee ist nicht verkehrt, um in der Öffentlichkeit das Stigma des eigenbrötlerischen bis hin zum kleinbürgerlichen Verhalten der Kleingärtner als gegenteilig zu beweisen.

Die Idee ist nicht verkehrt, auf diese Weise neue Interessenten an der Gartenarbeit zu gewinnen. Selbst angebaute und großgezogene Pflanzen bestärken das Selbstvertrauen.

Vier Kleingartenparks in Leipzig.

Zum Verständnis - mehrere Kleingärtnervereine, die sich verbunden fühlen und für die allgemeine Öffentlichkeit  in ihren Kleingartenanlagen Wanderwege angelegt haben, nicht nur bis zum nächsten Gartenlokal, den "Grünen Schänken" von Leipzig.

Mit Begegnungsstätten, Ruhezonen, Spielflächen, Spielplätzen, historisch, aber auch künstlerisch  Sehenswerten und sogar mit Museumsräumen, machen diese Vereine auf sich aufmerksam und bereichern die Kultur in unserer Stadt.

Einige KGV´s haben sogar Open Air – Museen. Motto: Gärtnern wie vor 100 Jahren, mit entsprechenden Lauben und dazugehörigen Utensilien.  Wie anno dunnemals.

Für Spaziergänger eine willkommene Gelegenheit, gleich "hinter ihrem Mietshaus" in Leipzigs Grünen Oasen zu wandeln, die Sonnenstrahlen zu genießen, sowie Auge und Geist zu erfreuen.

Ein Balkon ist zu winzig für Spaziergänge. Parkanlagen und Auenwald allein dürften zu einseitig und oft erst per Nahverkehr zu erreichen sein - also eher etwas für Aktivitäten am Wochenende.

Kleingartenparks, deren Weiterentwicklung und Stabilisierung, deren weiterer Ausbau und Förderung, müsste eigentlich im öffentlichen Interesse stehen. Die Vereine allein sind damit überfordert. Sie geben ihr Bestes, d.h. nicht nur ihre Ideen und Arbeits-kräfte, sondern sind auch finanziell gesehen nicht kleinlich, wenngleich viele Vereine ihre Finanzen auf die marokkanische Hafenstadt Casablanca zusteuern sehen.

Natürlich wäre es besser all die freien Parzellen an die Frau oder den Mann zu bringen.

Macht dann aber ein Kleingartenpark Sinn ? Schließlich sollen durch öffentlich zugängliche Flächen die Anwohner von der "Strasse" in das "Grüne" gelotst werden.

Denn Grün ist für Alle da.

Also freie Parzellen sind unter anderem zum Blickfang für Außenstehende umzu-gestalten. Zu einem gewissen Prozentsatz. Fußball- oder Bolzplätze sollen nicht entstehen.

Hundebesitzer haben jedenfalls den Vorteil der Kleingartenanlagen erkannt und nutzen diese regelmäßig, was an den Ablagerungen auf den Wegstrecken unschwer zu erkennen ist.

Spielplätze, Boccia-Sandkästen, Wiesen für Federball u. dgl., eine Vogellehrstätte "Am Kärrnerweg". Skulpturen zu bewundern aus Deko -Schrott, wie Gießkannen, Spaten, Rechen usw. sind im KGV "Kultur" möglich.

Es gibt viele Anschauungs- und  Lehrgärten, Schulgärten, im KGV Immergrün gibt es sogar einen Kindergarten-Garten.

Und wenn in Jugend- oder Studentengärten des Abends bei Kochfeuer Liebeslieder zu Gitarrenklängen gesungen werden - warum nicht ! Solange alles nach § 1 der StVO verläuft - gegenseitige Rücksichtnahme.

So manches Kleinod gäbe es zu entdecken und manch historisch Sehens - und Wissenswertes.

Kleingartenparks tot geglaubt, wieder aus der Taufe gehoben und jetzt wurde es wieder still, obwohl ein fünfter schon im Gespräch ist.

Dabei ist es kein Geheimnis, das in der Kleingartenparks -Konzeption der Stadt Leipzig ein anständiger Millionenbetrag - allerdings in DM, aber umgerechnet kommt das gleiche heraus - für einen Kleingartenpark, eingestuft als Südost, vorgesehen wurde.

Doch wenn die Quelle verstopft, versiegt das Bächlein. 

Geld allein würde zwar die Vereine nicht unglücklich aussehen lassen, würde aber die anstehenden Probleme nicht lösen. Alles muss gehegt, gepflegt, gewartet oder erneuert werden.

Und das bei einem bundesdeutschen Altersdurchschnitt der Kleingärtner von 60 Jahren.              

Und das sind Aufgaben, die Vereinsmitglieder ohne Hilfe nicht "stemmen" können. Der zweite Arbeitsmarkt hat uns in den letzten sechs Jahren den Achtern gerettet. Ohne die Hilfe von ABM, Ein-Euro-Jobber oder AGH sehe es arge aus.

Schließlich reden wir von öffentlichen Flächen - analog der Parkanlagen - und natürlich dem Politikum "Tafelgärten". 

Man sollte einen zweiten Arbeitsmarkt für das Gemeinwohl einführen oder den bestehenden finanziell stärken.       

Das wäre eine humane Symbiose zwischen der Erhaltung der Gemeinnützigkeit, der sozialen  Anerkennung werktätig gesinnter Menschen und dem Gemeinwohl innerhalb unserer Gesellschaft.

Ein Kleingartenpark würde sich hierin auch durch flächenübergreifende Zusammen-arbeit auszeichnen.

Ein Maschinenpark mit hochkarätigen  Geräten (z.B. Rasentraktor mit Schneepflug/ Laubsauger oder Großraum Schredder oder Heckenschneidefahrzeug). Solch eine Station für unmittelbar benachbarte Vereine brächte Vorteile, da hier das Preis-Leistungsverhältnis nicht an Schnäppchen gebunden ist.

Generelle Wegbeleuchtung auf den Hauptwegen – durch Solarenergie – aber bitte die der Hochleistungstechnologie, nicht die aus dem Baumarkt.

Ein generelles Wanderwege (…und Radfahr-) netz entstehen lassen.

Zwecks Trinkwassereinsparungen sollten die Vereinshäuser die Sanitäranlagen umrüsten und zur Pflanzenzucht auf Brauchwasser umsteigen.

Und auch auf energetischem Gebiet ließe sich noch manches in die Wege leiten.

Das Kontra-Argument lautet immer: Das ist uns viel zu teuer.

Die oben angeführte Quelle muss wieder freigelegt werden.

Schon Lessings „Nathan, der Weiße“ konnte gut erklären, worin die Stärke Einzelner besteht, …  in ihrem Zusammenhalt.

Also nicht nur Unterschriften aus alten Zeiten auf einer Urkunde als Gesetzes-grundlage nehmen, sondern wenigstens eine Richtlinie für die Vereine erarbeiten, nach denen sich ihr Handeln und ihre Verantwortung messen lassen.

Zusammenhalt bedeutet Zusammenarbeit der Vereine. Bedeutet vereinsübergreifende Maßnahmen durchzuführen, sich nicht voneinander abzuschotten. 

Erfahrungsaustausch in der Vorstandsarbeit tätigen und sich gegenseitig unterstützen. Die Befolgung einer gemeinsamen Strategie zur Weiterentwicklung der Kleingärtner-bewegung und eine gemeinsame Zielstellung nach außen vertretend.

Einen gemeinsamen Nenner bei der Gestaltung der einzelnen Gartenanlagen finden, in das Gesamtkonzept einer parkähnlichen Landschaft einpassen, die kleingärtnerische Nutzung hervorheben, ohne jedoch vom Kulanzanspruch der Vorstandspolitik abzu-rücken.

Das Gesetz und die Justiz bieten genügend Spielraum zum Ausloten.

Bestimmte Verordnungen müssen eingehalten werden, andere wiederum sind der historischen Entwicklung anzupassen. Wenn Kleingärten für Jung und Alt interessant 

bleiben sollen, muss die Wichtung zwischen Anbau von Gartenbauerzeugnissen und einer aktiven Erholung stimmen.

Gegenseitige Wertschätzung und Achtung erlernen unsere Zöglinge im Miteinander Umgang der Nachbarn.

Die Naturverbundenheit und ökologische Strukturen werden durch den Naturkreislauf von Wachsen, Werden, Vergehen  und Aufkeimen verständlich, gleich ob in der Flora oder Fauna.

Hier gäbe es nicht nur für den eigenen Nachwuchs Lernbedarf, auch Kindergärten und Schulklassen sollte diese Lehre zuteilwerden.

Schulgärten, Lehrgärten und / oder Lehrpfade (mit Outdoor-Schautafeln)  gehören in einen Kleingartenpark. Auch Biotope sollten nicht ausgeschlossen sein.

Vogelnester, Wespen- und Hornissenbaue, Igelburgen, Schmetterlinge umschwirren den Sommerflieder, oder welches Obst gehört zu welchem Baum ? Und, und, und. 

Der Facetten gibt es viele.

Das spiegelt sich auch in Bezug auf das Vereinsleben wider.

Denn Zusammenhalt bedeutet auch kulturelle Zusammenarbeit. Nicht unbedingt ein jährliches Kleingartenparkfest, dafür ist der Kleingartenpark Südost territorial zu ausgedehnt. Aber gemeinsame Kinder- und Sommerfeste bei nicht weit auseinander liegenden Vereinsplätzen benachbarter Vereine oder abwechselnde Feste mit finanzieller Beteiligung des/der Nachbarvereins ( e ).

Zusammengeführte Finanzen ermöglichen eine breitgefächerte und Jahr um Jahr  abwechslungsreichere Programmgestaltung. Der Besucherandrang wird diese Meinung schnell bestätigen. Nichts ist schlimmer als immer nur das Vorjahresprogramm zu bieten.

Dann hätten wir noch den Zusammenhalt mit der Bürgerbewegung in den Wohn-gebieten. Bürgervereine suchen Ansprechpartner, Mitgestalter und Mitwirkende für ihre Vereinstätigkeit.

Die „Grüne Aue“, die „Rosenaue“  und die „Kultur“ sind seit vier Jahren immer bei den Bürgerfesten des Bürgervereines Sellerhausen – Stünz  mit fest integriert. Das weihnachtliche Adventslicht immer Anfang Dezember an der Emmauskirche – nicht ohne die drei Vereine.

Selbst der „Christbaum“ stammt aus der Kleingartenanlage.

Mit einer konstruktiven Zusammenarbeit im Interessenausgleich zwischen der Kleingärtner- und der  Bürgerbewegung kommt nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit beider Bewegungen zum Tragen. Gegenseitige Bekanntmachung und Einladungen zu vereinsorganisierten Festivitäten bringt auch Publikum.

Bürgerfeste, Adventslichter, Teich- und Orgelkonzerte, Führungen durch den Stünzer Park, Sommerfeste, Skatturniere, Wanderungen durch Leipzigs Kleingartenanlagen und noch mehr.

Und wenn die Überproduktionen an jährlichen Ernten Endverbrauchern zugeführt werden, freuen sich nicht nur Jugendclub und Kindergarten, sondern auch die Obstbäume. Dann fand eine lebenserhaltene Maßnahme statt.      

Auch das wäre ein Unikum für Kleingartenparkanlagen. Eine Arche Noah für in Vergessenheit geratene Obstsorten (vielleicht erweitert auch auf Gemüsesorten).

Ich erinnere an die Geschichte vom Pastor Alexander-Lucas, der mit Herzogin Elsa und der Josephine von Mecheln der Gräfin von Paris das Purzeln beibrachte.

 Keine erotische Geschichte, aber sechs Birnensorten, die kaum noch bekannt sind, aber vor 150 Jahren in Deutschland verbreitet waren. Ich selbst liebäugle mit der Purzelbirne – schließlich habe ich nur einen Kleingarten.   

Dem  gewerbsmäßigen industriellen Gartenbau kann diese Aufgabe nicht zugewiesen werden. Zu aufwendig und zu kostspielig, zu arbeitsintensiv um eine größere Nachfrage einzudecken.

In den Kleingartenanlagen könnten sich aber Hobbygärtner dieser Arbeit widmen. Gartenfachberater lernen dazu und beteiligen sich aktiv an der Umsetzung. Wenn dann altdeutsches Obst zu Festivitäten kredenzt wird, erreicht man auch eine Art Öffentlich-keitsarbeit. In diesem Zusammenhang könnte auch über Streuobstwiesen nachgedacht werden. Die Krux – alles muss gehätschelt und getätschelt werden.

Für agile und aktive Vereinsmitglieder mit unbeschränktem Freizeitkontingent bestimmt eine herausfordernde Aufgabe, anstelle immer nur auf ca. 200 qm Gartenfläche zu hocken.

Das sind Ideen und Anregungen, ganz nach m.M. O.P.

Olaf Pöschel

Autor des Beitrages

 


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